, Ammann Thomas

Herren 2: Keine Trikots, keine Punkte

Es gibt sicherlich dankbarere Aufgaben, als als Aufsteiger zum Saisonstart in den ersten vier Spielen gegen den 1. Liga-Meister und zweimal gegen den 1. Liga-Vizemeister der vergangenen Saison zu spielen. Dazu kam am Samstag, 14. Oktober 2023 mit Volley Muri Bern eine jener Mannschaften, welches die teaminternen Buchmacher ebenfalls unter den Top-Teams der Liga verorten.

Samstag: Volley Muri Bern vs. Volley Uni Bern 3:0 (25:23, 25:21, 25:21)

Nichts zu verlieren hiess es deshalb für die Mannen von Volley Uni Bern im zweiten Saisonspiel. Wobei: Verloren hatten sie schon vor der Partie etwas. Nämlich ihre Trikots. Diese wanderten nach dem Startspiel nicht wie geplant in die elterliche Waschmaschine unseres 17-jährigen Nachwuchstalents, sondern im Intercity weiter in die Westschweiz. Falls also jemand im öffentlichen Verkehr auf eine stinkende Tasche voller schwarz-roter Trikots trifft: das wären mit ziemlicher Sicherheit unsere.

So streiften sich die tapferen Bären kurzerhand die Shirts des früheren 4. Liga-Teams über. Und als wäre es nicht genug, sich die Trikots einzuverleiben, machten sie sich gleich auch noch das Spielniveau eines 4. Liga-Teams zu eigen. Zumindest bis zum 6:12 im ersten Satz sah das eher aus wie beim Minigolf, das sich ein kleiner Teil des Teams als Vorbereitung am Vormittag gegönnt hatte: Viele Bälle verliessen das Feld, eingelocht wurde selten. Immerhin zeigte die Mannschaft rechtzeitig eine Reaktion, punktete mit Dani und Pügi am Service plötzlich regelmässiger, und hätte bei 23:24 beinahe die Verlängerung erzwungen.

Banane rein und ab in Satz zwei. Timon für Dani in der Mitte, Langhaarquote entsprechend gehalten, Deutsche mangels Anwesenheiten weiterhin feldfern. Der Drive vom Ende des ersten Satzes konnte mitgenommen werden, über alle Positionen gelangen schöne Punkte. Bis zum 10:10 war der Satz ausgeglichen. Dann schaltete Muri in der Verteidigung einen Gang höher, erkämpfte sich Breakpunkte und zog einige Punkte davon. Dies reichte schliesslich, um auch Satz zwei zu gewinnen.

Was tun? Da die Trainerin nicht da war, war ein Rauswurf derselben in der Pause in bester Christian-Constantin-Manier keine Option. Also kam der Basler Move zum Tragen: Fünf Spieler raus, fünf Spieler rein. David Degen wären die Freudentränen gekommen. Anders als beim FCB zeigte bei Volley Uni Bern die Massnahme die erhoffte Wirkung. Frischer Wind, neue Variabilität im Angriff (auch dank Joel), eine Serviceserie von Lenny – bald hatte man sich einen Drei-Punkte-Vorsprung erspielt. Auch bei 20:19 lag das Team noch in Führung. Doch die routinierten und Nationalliga-erprobten Murianer spielten in der Geldzeit ihre ganze Erfahrung aus. Plötzlich war ihr Block gefühlt einen Meter höher, in der Defense agierten drei Arme mehr. So erzielte Volley Uni Bern nur noch einen Punkt und musste sich den Agglo-Bernern mit 0:3 (23:25, 21:25, 21:25) geschlagen geben.

Sonntag: Volley Uni Bern vs. VBC Thun (CH-Cup) 1:3 (25:27, 20:25, 25:17, 18:25)

23 Stunden später: Cupzeit. Siegen oder fliegen. Die 4. Liga-Trikots frisch gewaschen (Merci Pügi), der Bananenvorrat aufgestockt (Merci Lenny), das Kader nun mit alemannischer Power verstärkt. Der Start indes ähnlich verhalten wie tags zuvor. Schnell rannte man einem kleinen Rückstand nach. Gegen die Thuner – das wussten die Hauptstädter genau – muss man Punkte teilweise zwei- oder dreimal gewinnen. Da kommen auch unkonventionelle Bälle plötzlich wieder rübergeschwurbelt. Die Oberländer punkteten aus allen Lagen. Bei Volley Uni Bern wackelte derweil die Annahme. Entsprechend stand es plötzlich 21:24. Die Fälle drohten davonzuschwimmen. Doch auch dank Pügis Services schaffte das Team den Anschluss und erspielte sich bei 25:24 gar einen Satzball. Allein der krönende Abschluss der Aufholjagd wollte nicht gelingen. Drei Angriffsfehler später war der Satz doch weg.

Na dann, auf in Satz zwei, mit frischer Verstärkung aus dem Ticino. Mit einer Serviceserie brachte Dennis Volley Uni Bern Mitte des Satzes 11:10 in Führung. Das Spiel schaukelte hin und her, die Thuner überzeugten mit einer beinahe fehlerlosen Angriffsquote. Vor allem Mänu, einst bei Uni Bern ausgebildet, schien selbst dann noch zu punkten, wenn der Ball bereits am Boden war. Das Heimteam versuchte mit allen Mitteln dagegenzuhalten, zollte der hohen Fehlerquote insbesondere am Service aber Tribut. Nach dem 20:25 stand das Team mit dem Rücken zur Wand.

Diese Ausgangslage nutzte das Team in Satz drei aus. Ohne eigene Trikots hatte das Team sowieso nicht mehr viel zu verlieren. Eine gewisse Befreiung war spürbar. Der Block funktionierte plötzlich besser, die Annahme stabilisierte sich, was auch den einen oder anderen sehenswerten Punkt über die Mitte ermöglichte. 8:4, 12:7, 19:13 hiess es schnell. Warum denn nicht gleich so, fragten sich wohl viele in der Unisporthalle.

Das Blatt schien sich zu wenden, der Knoten gelöst, das Vertrauen nun da... denkste. Wie bei den Nationalratswahlen kam es auch im Cupspiel zum Jo-Jo-Effekt. Statt auf der tollen Leistung von Satz drei aufzubauen, lieferten sich die Uni-Spieler ab dem 6:6 einen erbitterten Kampf um die zweifelhafte Krone der höchsten Fehlerquote. Wer hat noch nicht wer will nochmal? So war der Traum von Winterthur zu Ende, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte. Wer weiss, wie die Partie verlaufen wäre, hätte man den Gratisball bei Satzball im ersten Satz verwertet... Aber wie sagte schon König Lothar: Wäre, wäre Fahrradkette. Einige suchten Trost in einem Hopfensmoothie unseres neuen Sponsors "Schuum" – ganz nach dem Motto: Hat das Spiel kein Glück gebracht, gibts halt ein Bierchen mehr zum Znacht.

Na dann: Beers đŸ»