, Ammann Thomas

Herren 1: Der Fluch der Spielberichte

14 Spiele, 9 Siege, 6 Spielberichte. So lautet die Bilanz des Herren 1 vor den letzten drei Saisonspielen. Nach vorher vier Siegen in Folge kassierte das Team am vergangenen Wochenende eine ärgerliche 2:3-Niederlage gegen Therwil. Ausgerechnet gegen Therwil, dass schon in der Vorrunde den Siegeslauf des VBC Uni Bern abrupt stoppte. Waren die fehlenden Spielberichte schuld? Eine Spurensuche und erste wohlgemeinte Aufarbeitung der mit Hochs und Tiefs gespickten Saison des Fanionteams.

Gross, schlaksig, unverständlichen Seisler-Dialekt sprechend, dem goldenen Hopfengebräu nicht abgeneigt – es gibt viele Worte, um unseren Mittelblocker Micha zu beschreiben. Gewissenhaft ist – oder war – keines davon. Umso lauter war das Raunen, welches im übertragenden Sinne durch den Whatsapp-Teamchat ging, als der 2-Meter-Mann kurz vor dem Saisonstart eine komplette Ämtliliste für jedes Spiel präsentierte. Einspielmusik vorbereiten, Duschbier mitbringen, Trikots waschen, Matchbericht schreiben – alle Aufgaben waren minutiös geplant. Nur: Dem Team erging es dann relativ schnell wie Lewis Hamilton in Abu Dhabi, als das Safety Car raus musste. Es wurde von der Realität eingeholt.

Zu gute halten muss man dem Team: Die Trikots waren bislang an jedem Spiel gewaschen anwesend, selbst am einzigen Doppelwochenende Ende Oktober, als man nach dem siegreichen Meisterschaftsspiel am Freitag vom Leaderthron grüssend am Samstag nach Genf zur Startruppe um Sébastien Steigmeier reisen durfte, um die erwartete 0:3-Packung abzuholen. Aber bleiben wir bei den Ämtli: Auch das Regenerationsgetränk auf Hopfenbasis war mit grosser Regelmässigkeit vorhanden. Und um die Beschallung der Halle während des Einwärmens musste man sich auch keine Sorgen machen. Aber das mit den Spielberichten... Diese Geschichte ähnelt verblüffend unserem Saisonverlauf. Ein Schelm (und Abergläubiger – wobei unser Ober-Spiritist Päscu diese Saison ja aussetzt), wer Böses denkt.

Jedenfalls erschienen zu den ersten vier Saisonspielen in Meisterschaft und Cup, die allesamt siegreich gestaltet werden konnten, immer ein Spielbericht. Das Doppelwochenende mit Sieg in der Meisterschaft und Cup-Aus fand in den Analen der Website keinen Eintrag, haben wir aber nun im Rahmen dieses Berichts abgehandelt. So weit so gut. Im fünften Meisterschaftsspiel riss im Team der Faden. «Schachmatt in vier Sätzen» titelten die Chronisten in den Gazetten. Therwil entpuppte sich an jenem verregneten Novemberabend wie der Rote Bergfried: uneinnehmbar. Das Spiel war der Auftakt zu einer Phase mit vier Niederlagen in fünf Spielen. Nur gegen Volley Muristalden, die Schiessbude der Liga, welche bis Weihnachten nur zwei Sätze gewann und die Saison nach der Vorrunde vorzeitig beendete, schaute ein 3:0-Sieg heraus.

Es schaute in dieser Phase auch nur ein Matchbericht heraus. Zufall? Ihr Jonathan Frakes... Nur unser Universal-Teammitglied (der in dieser Saison tatsächlich schon auf allen fünf im Volleyball möglichen Positionen zum Einsatz kam!) «Bier-Bidon»-Mäthu überlieferte der Nachwelt unseren heroischen Kampf gegen den Tabellenführer STB. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es über die anderen Spiele nicht viel zu berichten gab. Gegen Muri stand man nach gewonnenem Startsatz (25:19) permanent auf der Verliererstrasse und hatte dem fehlerlosen und gleichzeitig druckvollen Spiel wenig entgegenzusetzen. Der Auftritt gegen Gelterkinden war wie der letzte Teil der «Die Hard»-Filmreihe: uninspiriert. 0:3, dreimal 20:25. Auch die grösste Spürnase hätte in diesem Spiel nicht an einem Satzgewinn geschnuppert.

Zum Abschluss des Jahres traf das Team zum Auftakt der Rückrunde zum zweiten Mal auf den VBC Münchenbuchsee. Der grösste Gegner in der Provinz war die Halle, weil die Wand gleichzeitig die Grundlinie markiert und man den Service in Spiderman-Manier an der Wand klebend spielen muss. Der Gegner war, deutlich ersatzgeschwächt, kein echter Gradmesser. Zu ungenau und fehlerhaft agierte die Equipe von Lee Horsey in den entscheidenden Phase. So konnte sich das Herren 1 des VBC Uni Bern mit einem Sieg im Gepäck zu den Weihnachtsfeierlichkeiten aufmachen. Spielbericht? Fehlanzeige.

Neues Jahr, alte Leier. Start gut, Spielbericht auch. Unser pizzaliebender und Champions-League-erprobter Ticinese rapportierte zuverlässig wie der öV auf dem Heimweg von Davos über den knappen 3:2-Erfolg gegen Malters. Es folgten im Januar zwei weitere ungefährdete 3:0-Siege gegen Thun und U60 Muristalden. Wie Betty Bossi liess das Team in beiden Partien nichts anbrennen. Die Spielberichte waren weiterhin wie Medaillen an Olympischen Winterspielen für Griechenland: inexistent.

Nicht nur Omikron schien zu Jahresbeginn auf einer Welle zu reiten. Wie schon zum Saisonstart reihte der VBC Uni Bern gegen Malters, Thun, U60 Muristalden und Münchenbuchsee vier Siege aneinander. Und wie schon in der Vorrunde agierte Therwil als Wellenbrecher. Die Basler hätten wohl auch in der COVID-19-Taskforce eine gute Figur gemacht. Obwohl guten Mutes, mit viel Selbstvertrauen und teilweise verspätet angereist (zum Einschlagen waren alle da, und das Einschlagen ist ja das Wichtigste), reichte es auch im Rückspiel nicht zum Sieg. Nachdem zwei Sätze klar gewonnen (zu 21 und 15) und zwei klar verloren (zu 18 und 16) wurden, musste das Tie-Break über die Vergabe des Zusatzpunkts entscheiden. Der Satz verlief äusserst ausgeglichen. Leider versagten dem Team beim Stand von 13:14 und eigenem Side-out im dümmsten Moment die Nerven. Die Enttäuschung war gross, insbesondere weil man den Gegner phasenweise gut im Griff hatte. Aber insgesamt war die Leistung zu inkonstant und das Kader aufgrund von COVID-Fällen und anderen Abwesenheiten zu schmal, um einen Sieg auf die längste Heimfahrt der Meisterschaft mitzunehmen. Immerhin: Die «Miesemuschele» und der Limoncello im «Sternen» nebenan schmeckten hervorragend.

So steht das Team drei Runden vor Schluss vor der ultimativen Reifeprüfung. Erneut musste man nach vier Siegen de suite einen Dämpfer einstecken. Und erneut stehen nun die drei schwersten Spiele gegen die Top 3 der Liga an. Auf Platz 5 stehend ist noch einiges möglich: Der Vorstoss auf Rang 4 (aus eigener Kraft) oder mit etwas Schützenhilfe gar auf Rang 3 oder 2. Aber auch der Rückfall bis auf Platz 7 im schlimmsten Fall. Spielpraxis besitzt das Team auf jeden Fall: Über 175 Punkte hat es pro Spiel im Schnitt gespielt, am zweitmeisten der Liga.

Abschliessend würde ich jetzt gerne schreiben, dass wir Sie über den Ausgang dieses Schlussfeuerwerks informieren werden. Aber das mit den Spielberichten... Sie wissen ja. Daher kommen Sie am besten selbst vorbei, zumindest zum letzten Heimspiel diesen Samstag um 15:45 Uhr. Und sonst halten Sie es wie Alain Berset: Bleiben Sie zuhause!